Dienstag, 15. September 2015

Vernetzt


Manchmal denkt man sich, ohne eine bestimmte Person im Leben wäre es viel leichter. Einfach aus dem Leben streichen. Und ab dafür!
Aber je länger man darüber nachdenkt, desto schwieriger gestaltet sich diese Sache. Denn dein Gedächtnis will nicht so ganz wie du. Will eure schönen Zeiten nicht löschen, behält jeden Streit, alle Erlebnisse.
Du entfernst die Person von deinen Facebook-Freunden. Zwei Klicks, fertig. Du bist ein wenig erleichtert, wenigstens diesen digitalen Ballast von dir abgeworfen zu haben. Doch dann ploppt da plötzlich ein großes Foto von diesem Menschen auf deiner Startseite auf. Er wurde von einem deiner Freunde darauf markiert. Mist. Auch das hat nicht geklappt.
Schließlich siehst du dich in deinem Zimmer um. Hängst die Bilder ab und tauschst sie aus. Verstaust die Erinnerungsstücke ganz tief in einer Kiste. Jetzt ist wenigstens dein Zimmer frei von den ganzen alten Zeiten.
Oder doch nicht?
Denn als dein Blick auf die Fernbedienung fällt, versinkst du in Erinnerungen. Wie oft ihr euch gestritten habt, welchen Film ihr heute schaut. Oder wenn du schon müde warst, aber diese Person noch ein wenig weiter schauen wollte. Wie ihr euch am Ende umarmt habt und gelacht habt. Euch unter die Decke gelegt habt, die sich gerade auf deinem Bett befindet. Und auf die Lichterkette geschaut habt, die an deinem Fenster hängt.
Du seufzt. Weil dir klar wird, dass du nicht dein ganzes Zimmer weg schmeißen kannst. Weil diese Person irgendwie immer ein kleiner Teil deines Lebens sein wird, weil so viele Erinnerungen hier sind - in deinem Kopf, in deinem Zimmer.
Du nimmst das Buch, dass sie dir geschenkt hat und legst dich ins Bett - fängst an zu lesen und irgendwie ist es vielleicht doch ganz gut, dass du es nicht weg geschmissen hast, nur weil es von dieser Person ist.

Ihr seid vernetzt.
Für immer.
Und vielleicht war das gar nicht so schlecht.








Mittwoch, 9. September 2015

Sie weiß meinen Namen nicht mehr. Aber immerhin weiß sie noch, dass sie mich lieb hat.


Es ist mir schon ein wenig unangenehm. Etwa ein halbes Jahr habe ich meine Uroma nun nicht mehr gesehen. Seit 3 Monaten lebt sie in einer Residenz. Und heute besuche ich sie das erste Mal.
Als kleines Kind war ich oft bei meiner Uroma. Sie wohnt keine zwei Minuten von mir weg und so saß ich mindestens ein Mal pro Woche in ihrer Wohnung und habe Mensch-Ärgere-Dich-Nicht mit ihr gespielt. Oder ihr komplettes Porzellan-Service aus der Schrankwand geräumt, um mir vorzustellen, ich hätte ein Café. Viel erzählt über sich hat sie nie. Aber das hat mich nie gestört.

Wenn man dann älter wird, werden so viele unwichtige Dinge plötzlich viel wichtiger. Irgendwann hört man auf zu spielen und dann kommt man vielleicht nur noch alle zwei Wochen. Jeden Monat. 
Obwohl ich ihre Wohnung vom Fenster aus sehen kann.

Jetzt wohnt sie nicht mehr dort. Der Pflegedienst stand ihr nun schon ein paar Jahre zur Seite, aber eines Tages stürzte sie und erkannte plötzlich niemanden von uns wieder. Konnte nicht mehr laufen. 
Ich habe sie an diesen Tagen, die sie im Krankenhaus verbracht hat, nicht besucht. Weil meine Angst stärker war. Angst, dass sie mich ansieht und nicht weiß, wer ich bin. Das da nicht mehr meine Uroma liegt, sondern nur noch ihre Hülle. Und ihr wacher und fröhlicher Geist schon längst woanders ist.

Heute war ich zum ersten Mal in der Einrichtung, in der sie nun lebt. Am Eingang erstmal ein kleiner Spender mit dem Hinweis, sich bitte die Hände zu desinfizieren.


Du hast es schön hell. Dein Zimmer ist in sonnengelb gestrichen und von deinem Fenster aus kannst du auf den Park schauen. Als wir uns sehen, bin ich kurz etwas verwundert. Uromas sind immer alt. Weiße Haare und so weiter. Aber dass du in dieser kurzen Zeit noch älter werden kannst, das hätte ich nicht erwartet. 
Du bist ganz erstaunt, uns hier zu sehen. Drückst uns beide und dann schaust du mich lange an. Ich warte darauf, dass du "Hallo Victoria" sagst. Aber du kommst direkt zum "Schön, dass du mich besuchen kommst." Da wissen wir es beide. Du weißt meinen Namen nicht mehr. Trauer mischt sich in meine vorherige Erleichterung, dass es dir hier gut geht.
Aber dann zeigst du mir, dass du noch du bist. 
Eine nette alte Dame kommt vorbei und fragt dich, ob du Besuch bekommen hast. Und du lächelst stolz. Stellst uns als deine Enkelin und deine Urenkelin vor und freust dich. Freust dich einfach und mir wird klar, dass es völlig egal ist, dass du meinen Namen nicht mehr weißt.

Als wir schließlich gehen, bringst du uns bis zur Tür deines Zimmers. Du strahlst und winkst uns, als wir gehen. Ich drehe mich immer wieder um und du winkst so lange, bis wir uns nicht mehr sehen können.
Aber dein Strahlen sehe ich noch. Zufrieden und glücklich.
Ich komme ganz bald wieder, Uromi.
Danke, dass du mich liebst!

Samstag, 5. September 2015

Nachtgedanken


Ich bin ganz alleine hier mit mir. Ein Meer aus schwarz und weiß, schwarze Wellen, weißer Schaum. Es ist ganz dunkel hier an meinem Meer. Manchmal so dunkel, dass man nicht mal mehr den weißen Schaum sieht. Oder ein Glitzern des Wassers unterm Sternenhimmel.
Manchmal schlagen die Wellen so hoch, dass ich mich nicht mehr halten kann. Mitgerissen werde, in einen tiefen Strudel. Welle um Welle schlägt auf mich, drückt mich tiefer. Alles schwarz. Nur noch Rauschen und dieses Gefühl der Hilflosigkeit. Ich will doch raus. Schlage um mich. Versuche, um Hilfe zu rufen.
Wasser dringt in meinen Hals, rinnt meine Kehle hinunter, es brennt, alles in mir zieht sich zusammen.
Ein paar Mal schlage ich noch um mich. Bis ich mich schließlich kraftlos umher spülen lasse durch mein schwarzes Meer. Die Augen geschlossen. Den Mund fest zusammen gepresst.

Wann kommt endlich wieder ein heller Gedanke?

Irgendwann, nach einer Zeit, die mir geradezu unendlich vorkommt, werde ich wieder an den Strand gespült. Ich fühle mich ausgelaugt. Es ist anstrengend, wenn man versucht, in der Dunkelheit zu sehen. Noch schwieriger wird es, wenn du versuchst, durch die Dunkelheit zu wandern. Auf der Suche nach einem hellen Fleck, irgendwo.

Manchmal ist mehr Schwarz im Leben. So viel schwarz, das man glaubt, nichts weißes mehr darin erkennen zu können. Aber irgendwo wird immer ein kleines Stückchen Licht sein, das auf dich wartet. Geduldig. Und während deiner Wanderung durch die Dunkelheit, durch all die dunklen Wellen, immer größer wird. Immer erreichbarer. Bis du schließlich da stehst, hinter dir all die dunklen Zeiten.

Und vor dir nur noch Glück.


Mittwoch, 5. August 2015

Das hier ist kein Abschied. Wir lassen uns nur los.

Ich weiß nicht, wann wir uns das letzte Mal in die Augen gesehen haben. So richtig ehrlich, voll mit Respekt, mit Zuneigung und dem Gefühl, dass dieser Zustand für immer so bleibt.
Weiß nicht, wann ich dir das letzte Mal ein Geheimnis anvertraut habe. Und du mir. Wann der Moment kam, an dem sich das nicht mehr richtig angefühlt hat. Wir nicht mehr miteinander reden wollten, über die Dinge, die einen in der Seele bewegen.
Oberflächlichkeiten.
Schlechtes Wetter.
Sind die Schuhe neu?
Wichtigeres gab es nicht mehr zwischen uns. Haben die Mauer um uns herum immer weiter abgebaut, Stein um Stein. Uns umgesehen und verwundert gemerkt, wir können auch ohne den Atem des anderen leben. 
Da ist noch mehr.
Und anfangs ist man ganz zögerlich, traut sich nicht, weil das tiefste Innere schon weiß, was passieren wird. Und dann hebt man doch ganz vorsichtig einen Fuß, steigt über die Mauer. Hand in Hand haben wir unser Universum verlassen, irgendwo mit der Überzeugung, das alles so bleibt, wie immer. Für immer.
Und jetzt sind wir Lichtjahre voneinander entfernt, einfach so. Und es gibt kein Raumschiff, das uns zueinander führen kann. Weil alles schon verglüht ist, was uns verbunden hat. Nicht mehr leuchtet.

Wenn sich unsere Blicke treffen, schaue ich lieber weg. Ganz schnell. Weil da nichts mehr ist, was ich lesen kann. Weil du nichts mehr in meinen Augen lesen kannst. Diese Gedankenleserei ist Geschichte. Wie nie geschehen. Und ich weiß gar nicht mehr, wie das mal funktioniert hat zwischen uns. 

Und wir versuchen, zu retten, was noch zu retten ist. Das man sich wenigstens noch Hallo sagt.
Oberflächlichkeiten.
Schlechtes Wetter.
Sind die Schuhe neu?

Dienstag, 23. Juni 2015

Ein bisschen Meer


Ich ziehe die Schuhe aus und stecke etwas ungläubig einen Zeh in den Sand. Warm. Weich. Ich betrete den Strand und sinke ein wenig ein. Spüre jedes Korn. Wie eine Muschel in meinen Fuß piekst.
Und plötzlich gehe ich los. Zielstrebig, immer geradeaus. Den Wind in der Nase, in den Haaren. Er ist noch nicht so weit, ruft mich. Warte doch. Aber ich höre schon gar nicht mehr. Gehe immer weiter bis zu dem Punkt, an dem es nicht mehr weiter geht. 
Das Meer liegt ganz ruhig vor mir. Als hätte es auf mich gewartet.



Man freut sich ja immer auf seinen Urlaub, aber wie sehr man die Ruhe genießt, die einen plötzlich umschließt, wenn man vor dem Meer steht, ist unglaublich. Nur ein wenig Rauschen. Ein bisschen Wind. Kein Getöse, Geklingel. Der Großstadt-Lärm existiert hier nicht, darf vergessen werden. 



Und dann laufe ich los. Einfach los, am Meer entlang, spüre jeden Schritt ganz deutlich. Bin frei. Kaltes Wasser fließt um meine Knöchel, kleine Muscheln pieksen in meine Fußsohlen. Aber ich bin frei. Lache. Keine Gedanken, keine Sorgen. Nur ein wenig Wind und ich.
Ich begutachte jeden Krebs und jede Alge, die mir das Meer vor die Füße spült. Als hätte ich es noch nie zuvor gesehen. Als wäre es nur für mich gekommen.



Irgendwo bellt ein Hund. Ruft ein Kind. Irgendwo, nur nicht hier. Ich stehe noch immer am Strand, aber bin in Gedanken schon so weit über das Meer geflogen, das ich glaube, den Horizont bald erreichen zu können. 
Die Sonne kitzelt mein Gesicht. Und ich laufe wieder los, um alles aufzusaugen, was dieser Ort mir bietet.



Freiheit. Ruhe. Gelassenheit.

Mittwoch, 17. Juni 2015

Ein Schmetterling ist eben nur 'ne Raupe mit Flügeln



Bilderflut. Ich drücke immer wieder auf den Auslöser. Zoome. Muss jede Blüte einfangen. All den Blütenstaub auf den Bildschirm bannen. 

Denn schon bald schließt sich diese Lilie wieder. Vergräbt sich tief im Boden, nur noch Erde, kein Grün. Als würde sie sich selbst begraben. Für ein halbes Jahr.

Ich wünsche mir, auch diese Fähigkeit zu haben. Nicht, mich selbst zu begraben. Aber jedes halbe Jahr verschwinden, 6 Monate irgendwo hin, wo mich niemand findet. Und erst wieder kehren, wenn ich strahle. Von außen, von innen. Kraftvoll bin, voller Mut und dem Drang, mich zu entfalten.

Denn ich fühle mich gerade eher wie die Lilie tief unter der Erde, die darauf wartet, dass sie in aller Schönheit erblühen wird. Und dann fällt mir wieder ein, dass ich mich gar nicht verkriechen darf. 

Mich zu verkriechen, mit meiner Decke über dem Kopf anstatt einer Schicht Erde wie bei der Lilie, macht meine Aufgaben nicht kleiner. Lässt mich nicht Strahlen, sondern kleiner werden. Weil der Druck größer wird. Mich sprengen will.

Werd erwachsen!

Diesen Satz hat mir noch niemand ins Gesicht gesagt. Aber in meinem Kopf wandert er seit Wochen durch alle Schluchten und Täler und schreit herum. 
Werd erwachsen, sonst schaffst du das nie. Tu dies, tu das. Sonst wird das nichts.
Ich versuche ständig, mich zu ducken, wenn mir diese Erkenntnis entgegen schlägt. Manchmal klappt es. Dann tue ich so, als könnte das alles hier so weiter gehen. Noch ein Jahr oder so. Das wäre schön.

Aber mich zu ducken, das wird immer schwerer.
Ich bin keine Lilie, die sich vor dem kalten Winter verkriechen kann. Vor den unangenehmen Tagen, vor dunklen Zeiten. Vor Momenten, in denen man nicht aus der Tür treten möchte - weil man weiß, was einen erwartet.

Ich betrachte die Lilien erneut und dann fällt mir doch etwas Gutes ein, was ich mir von ihnen abschauen kann.

Nach jedem kalten Winter kommen diese Lilien wieder. Strahlen, blühen. Nach jedem harten Tag komme ich auch wieder. Nach jedem schweren Schritt aus der Tür werden Leichte folgen. Leichte, die mich strahlen lassen. Von innen, von außen.

Ich verblühe nicht. Ich blühe jeden Tag neu.








(Blogtitel: Zt. aus "Grüner Samt" von Marsimoto)

Mittwoch, 10. Juni 2015

Ich schlag' die rosa Seiten auf und beginne von vorn


Manche Dinge legt man weg. Und vergisst sie dann. Einfach, weil man sie nicht mehr braucht. Oder weil sie einem nicht mehr helfen. 
Mein Tagebuch war eine Zeit lang mein einziger Freund. Der nur stumm genickt und zugehört hat, während ich bittere Tränen auf die rosanen Seiten vergossen habe. 
Und jetzt liegt es wieder in meiner Hand. Als ob es auf mich gewartet hätte. Mit offenen Armen. Wie, als hättest du es gewusst. Die ganzen Jahre. 


Immer wieder blicke ich mich unbewusst um, so als ob ich Angst hätte, dass mich jemand beobachtet. Sieht, wie eine 19-jährige in ein kleines, mit Rosen verziertes Tagebuch schreibt. Mit ernster Miene. Berührt. Verwundert, wie viele Gedanken und Gefühle durch einen Kugelschreiber auf ein Blatt Papier fließen können.

Ich bin nicht sicher, ob ich dich morgen erneut aufschlagen werde. Nochmal vertraue. Ob du all' das aus meinem vollen Kopf überhaupt aufnehmen kannst, wenn neben meinen Worten Hello Kitty sitzt und Rosen pflückt. Vielleicht wäre ein neues Tagebuch eine Lösung. 
Aber du hast so viele Seiten für mich offen gelassen. 
So lange auf mich gewartet.
Ich will irgendwie dankbar sein.





Dienstag, 26. Mai 2015

Stillstand


Ihr Lieben, 
der letzte Blogpost liegt nun schon einige Tage zurück und auch der letzte Outfitpost erschien zuletzt vor circa zwei Wochen. Grund dafür sind meine Bronchien, die mich im Moment ganz schön erschöpfen und dafür sorgen, dass ich die meiste Zeit im Bett verbringe - also nichts mit Outfits schießen oder Natur einfangen, sondern Tee schlürfen und inhalieren.
Ich hoffe natürlich, dass es mir bald wieder besser geht und ich euch wieder mit tollen Fotos versorgen kann. Am meisten Sorge ich mich allerdings um den kommenden Freitag, da habe ich einen ersten Auswahltest und hoffe so sehr, dass ich dann wieder fit bin und alles gut läuft. Drückt mir die Daumen!

Da ich euch aber natürlich nicht "im Regen" stehen lassen will, werde ich euch heute mal wieder eines meiner Gedichte zeigen.
Ich hoffe, es gefällt euch! Habt noch einen schönen Tag und bleibt -im Gegensatz zu mir- ja gesund!

Vicky



Luftig, seidig
glücklich, leicht.
Wolkig, selig,
seelisch reich.
Nur dich liebend
durch die Nacht.
Dich vermissend
ruhig, bedacht.

Luftig, seidig,
glücklich, leicht.
Wolkig, selig,
seelisch reich.
Dich ersehnend,
dich verlangend,
nicht verzagend.

Durch die Nacht,
durch das Leben,
durch den Tag,
durch die Nacht.

Geb' ich auf dich acht.


Freitag, 22. Mai 2015

Ich sehe, dass du gehen musst. Und kann es nicht verstehen.


Als ich davon hörte, dass du vielleicht gehen könntest, habe ich mich gefreut. War erleichtert, dass es noch eine Chance gibt für dich. Du hast das verdient. 
Der gleiche Job, aber eine andere Stadt - was ist da schon dran. Nur du hattest Zweifel. Wolltest nicht gehen. Wegen mir, unserem Zuhause. Die neue Stadt ist keinen Katzensprung entfernt. Ich kann nicht einfach mal so bei dir an der Haustür klingeln, wenn du weg bist. Ich muss die Zähne zusammen beißen. Dachte, es wäre unglaublich leicht, dich gehen zu lassen.
Was muss, das muss.

Und jetzt ringe ich täglich um Fassung und vergieße meine Tränen nachts - weil ich mittlerweile realisiert habe, was es bedeutet, wenn du gehst.

Denn niemand kennt mich so gut wie du. So lange. Du hast mich aufgebaut, mitgeholfen, dass ich heute so bin, wie ich bin. Mich auf jedem Weg begleitet, mich unterstützt. Und an mich geglaubt - als es keiner mehr tat. Du warst und bist mein Anker, egal, was mir passiert ist. Ob ich nun 5 oder 19 bin, ob meine Probleme nun klein oder groß sind. Du nimmst mich immer noch mit der gleichen Liebe in den Arm. Bedingungslos. Und hilfst mir, wo du nur kannst. 

Ich habe das Ganze hier immer runter geredet.
Was muss, das muss.
Studenten müssen auch weg ziehen, wenn sie an eine Uni in einer anderen Stadt gehen. Leute gehen ins Ausland. 
Ich hab mir eingeredet, dass das ganz normal ist. Und dabei vergessen, dass ich ja gar nicht gehe.
Ich bleibe hier.
Und du gehst.

Und ich wünsche mir, nochmal ganz jung sein zu können. Ein Kind, ganz unbeschwert. Das wir nochmal ganz viel Zeit haben. Dass ich hier nicht jeden Tag verlebe, in dem Wissen, dass du bald fort bist. Unbewusst auf den Abschied warte.
Du bist nicht aus der Welt, ich weiß das. Und ich bin hier nicht allein, wenn du fort bist, das weiß ich auch. Aber wenn der stärkste und größte Anker sich aus dem Leben löst, ist das wie ein Erdrutsch.
Was mache ich jetzt, wo finde ich Halt.
Schwimme umher und suche nach dem Anker, der vielleicht genauso groß ist wie deiner. Will Ersatz. Aber den gibt es nicht. Nicht für dich.

Du bist alles für mich. Und im Moment habe ich keinen blassen Schimmer, wie ich es aushalten soll ohne dich. Sage mir immer wieder, dass du nicht aus der Welt bist. Und mir laufen wieder warme Tränen über das Gesicht, weil "nicht aus der Welt" so furchtbar kalt klingt. 
Ich hätte nicht gedacht, das mir das alles so weh tun würde. So schwer fallen würde. Eine Trennung, die sich irgendwann im Leben eines jeden Menschen vollzieht. Und doch ist es so anders. Denn anstatt dass ich mich löse, bereit bin, mich zu lösen, gehst du. Bevor ich die letzten Reste meines kindlichen Abschiedsschmerzes im Zuge des Erwachsenwerdens ablegen konnte. Ich fühle mich so furchtbar klein und verletzlich. Obwohl ich mein Leben doch schon selber lenke. Mich um meine Karriere kümmere, mein Glück verfolge.

Liebeskummer tut weh, das weiß ich. Aber wie viel stärker die bevorstehende Trennung zu dir schmerzt, erschüttert mich. Lässt mich fassungslos in meinem Bett sitzen und still weinen. 

Es dauert noch etwas, bis du gehst. Und trotzdem. Packt mein Herz schon jetzt seine Koffer und will mit dir mitreisen.
Aber was muss, das muss.

Freitag, 15. Mai 2015

Freitags-Melancholie


Wo bist Du, wenn nicht hier
Was machst Du, wenn Du nicht
die Einsamkeit mit mir teilst?
Hast Du Sehnsucht
Gehst Du in Deinem Herzen
auf die Suche nach mir?

Ich suche nach Dir
denn die Sehnsucht in mir
verschlingt alles, was mit Dir
ist
war
sein wird.

Ist Deine Sehnsucht nach mir
so stark wie die meine nach Dir?
Wo bist du, wenn nicht hier?



Mittwoch, 29. April 2015

"Ich hab' auch eigentlich nichts dagegen, aber..."



Ich schmiere mir etwas Hummus auf mein Knäckebrot und beiße genüsslich ab. Hmm. Lecker. Meine vegane Woche hat am Montag begonnen und ich fühle mich  wunderbar - ich nehme mir endlich mal wieder Zeit fürs Essen und kaufe bewusst ein.
Während ich den Hummus so betrachte, ganz unschuldig und natürlich, geht mir eine vergangene Konversation durch den Kopf. Die mich ganz schön geärgert hat. Und über die ich heute mal meine Wut raus lassen muss, denn die Kernaussage ist so unsinnig, dass man lachen möchte.

Ich hab' eigentlich nichts dagegen, aber...

Ich hab' nichts dagegen, aber ich toleriere es trotzdem nicht. Während ich so tue, als wäre ich tolerant, kann ich meine Intoleranz trotzdem nicht verbergen und muss meiner Abneigung Luft machen. 
Jaja.
Beispiel Veganismus. Ich habe diesen einen guten Freund, wir verstehen uns wirklich gut, auch ohne Worte. Aber seine Intoleranz ist so furchtbar. Wenn ich erzähle, dass ich eine vegane Woche einlege, wird nur der Kopf geschüttelt. "Du bist doch behindert, das ist doch behindert" ist dann noch das netteste, was ich zu dieser Ernährungsweise von ihm höre. Er redet sich in Rage, dass das doch nicht geht, dass der Mensch nicht so geboren wurde. Das alles eklig schmeckt, was vegan ist.
Natürlich hat er noch nie was probiert.
Ich höre mir das dann alles an und warte, bis er all seinen Unsinn ausgesprochen hat. Die leeren Beleidigungen und dass man stirbt, wenn man sich ausschließlich vegan ernährt, weil einem dann alle nötigen Nährstoffe fehlen. Wenn er fertig ist frage ich meistens einfach, warum er mich nicht einfach essen lässt wie ich will, dass es mir gut schmeckt, mir Spaß macht und meine Haut so schön rein wird, wenn ich mal die ganzen Zusatzstoffe weg lasse. Und er hört zu und dann kommt hier ein "Ja, aber..." und dort ein "Ja, aber.." und schließlich der berühmte Satz "Ich hab auch eigentlich nichts dagegen, aber (hier bitte eine weitere negative Komponente über Veganismus einfügen, beispielsweise, dass man dann von Einhörnern gekidnappt wird oder so)" Und diese gespielte Toleranz, in die man dann aber nochmal seine ganze Abneigung reinpacken muss, die nervt mich. Die nervt mich so sehr, dass ich jetzt tatsächlich einen Blogpost darüber verfasse.

Wie kommt man auf den Versuch, seine Intoleranz in einen Nebensatz zu packen, nur damit es so aussieht, als wäre man eigentlich tolerant? "Ich hab eigentlich nichts gegen Ausländer, aber bitte nicht in meinem Dorf", was soll der  Satz? Fühlt ihr euch dann tolerant? Irgendwo dürfen die Ausländer ruhig hin, ui, ich bin so furchtbar weltoffen!? Nö! Der Versuch, eine Ausrede für eure Abneigung gegenüber bestimmter Dinge zu finden, funktioniert nicht. Jedenfalls nicht mehr bei mir. Abgesehen davon, das Intoleranz eine Eigenschaft ist, die man in allen Bereichen des Lebens ablegen sollte. Denn was bringt Intoleranz? Macht sie glücklich?
Nein.
Du baust eine Mauer um dich herum, eine ganz enge Mauer, über die niemand drüber schauen kann, aber du vergisst, dass du dich damit selbst abschottest. Die Gruppe intoleranter Menschen hinter ihrer Mauer verschließt sich jedem Fortschritt und jedem friedlichen Leben. Warum ist man intolerant gegenüber Dingen, die einem gut tun? Einer Lebensweise? Während so viele Angst vor Ultra-Veganern haben, die einen mit allen Mitteln und Wegen bekehren wollen, benehmt ihr euch selbst wie irgendwelche Ultras, die lieber in ihrer kleinen Welt bleiben wollen und jeden abstoßen, der nicht so lebt wie ihr. Niemand verlangt, dass man mit allem und jedem sympathisiert, was es so auf der Welt gibt. Und ich verlange das auch von niemandem. Jedem sein Steak und jedem sein Tofuschnitzel. Aber kann man dann nicht einfach ruhig nebeneinander leben? Warum muss man andere Menschen dann als "behindert" betiteln, nur weil sie eine andere Ernährungsweise haben?
Ich könnte mich in Rage schreiben, habe mich bereits in Rage geschrieben. 
Ich bin intolerant gegenüber Intoleranz, Tatsache. Und verstehe nicht, was an simpler Akzeptanz so schwierig ist. Warum man homosexuele Paare angewidert anschauen muss und dann ganz schnell sagt "Ich hab' nichts gegen sowas, aber..." Wie kann man sich gegen Liebe aussprechen? Gegen Freude und das Glück anderer Menschen? Liebe ist Liebe, egal zu welchem Geschlecht.

Und Intoleranz bleibt Intoleranz, egal, wie oft man ein "Ich hab' auch eigentlich nichts dagegen, aber.." hinten anschließt. Das macht nur noch intoleranter. Und trauriger. Denn während alle entspannt und frei um die Mauer herum leben, sitzt eine kleine Gruppe Menschen hinter der Mauer ohne Licht und mit dem angeblichen Triumph, alles richtig zu machen. Dabei ist es ganz dunkel dort. Und ihr teilt nur euren Gram, sonst nichts.

Abneigung gegenüber Dingen, die keine Abneigung bedürfen, ist so sinnlos. Und kostet Zeit. Man könnte das vegane Gericht auch einfach probieren. Oder friedlich sein Steak essen. Man könnte sich freuen, dass die beiden Männer dort drüben sich gefunden haben und lieben. Oder seinen eigenen Partner mal wieder in den Arm nehmen.
Ein abgesperrter Horizont bringt nicht weiter. Er macht klein und rückt sich selbst Abseits der Gesellschaft. Wer Intoleranz sein lässt, der ist gleich viel entspannter.
Leben und leben lassen.
Es kann so einfach sein.



Ihr Lieben,
das musste jetzt mal raus, denn ich kann diesen Satz einfach nicht mehr hören.
Nerven euch solche Fälle von chronischer Intoleranz auch oder leidet ihr manchmal auch darunter?
Ich freue mich über eure Antworten.

Liebe Grüße,
Vicky

Freitag, 24. April 2015

Wenn aus Gedanken Fesseln werden

Ich sitze in meinem Zimmer auf dem Bett und starre ins Leere. Hunderte Gedanken schießen durch meinen Kopf. Gute, schlechte, nervige. Ich bin randvoll. Mit Erinnerungen, Ideen, Ängsten. Ich quille über. Bin wie gelähmt, mit unendlich viel Zeit und doch kann ich nichts auf die Beine stellen. Der Überfluss an Emotionen lässt mich erstarren. Ich bekomme die Sorgen und Probleme nicht gebündelt, die sich wie hunderte kleine Bäche durch meinen Kopf schlängeln. Bis in meine Seele. In meine Beine, die steif auf dem Bett liegen. In meine Hände, die irgendwie um sich greifen, aber nichts finden. Ich blicke umher, auf der Suche nach etwas Machbarem. Alle Aufgaben schwimmen vor mir und will ich sie greifen, doch dann wachsen sie ins Unmögliche, nicht zu schaffen. Zähne putzen? Ich blicke aus meinem Zimmer auf die geöffnete Badezimmertür und stelle mir vor, ich täte es. Erinnerungen kommen wieder hoch. Was dort passiert ist. Und lähmen mich. Ich lausche stumm der Musik. 
War unfähig, meine Lieblingsmusik einzuschalten, aus Angst vor allen Erinnerungen. Und habe schließlich wahllos nach Playlists von irgendwelchen Menschen gesucht. Jetzt dudelt eine House-Playlist durch mein Zimmer, laut und fröhlich. Ich überlege, den Fernseher einzuschalten. Und dann fällt mir wieder ein, wie sehr mich das Ganze in letzter Zeit immer öfters angeekelt. Die Ignoranz der Nachrichtensender. Lieber über Sonnencreme berichten. All diese unechten Sendungen, die die Realität darstellen sollen. All diese armen Mädchen, die sich jeden Donnerstag auf ihren Körper reduzieren lassen müssen, um sich am Ende als Preis einen Stempel aufdrücken lassen zu dürfen. Meine Gedanken kreisen weiter fort, weit weg aus meinem Zimmer, zu den Ereignissen, die noch vor mir liegen. Eigentlich würde ich gerne lernen. Ich muss lernen. Aber die Angst vor einer erneuten Niederlage verteilt sich wie ein Gift langsam in meinen Armen. 
Schließlich schlinge ich die Bettdecke wie eine Festung um meinen Körper und schlurfe zum Fenster. Sonne, Vögel. Menschen, die vom Einkaufen gehen. Mit dem Hund gehen. Leben. Ich mag das auch haben. Ganz kindlich ausgesprochen. Ich will auch. Mal aufwachen ohne als erstes einen Fluch auszustoßen, weil ich den ganzen Quark heute nicht bewältigen will. Tabletten schlucken, die meine Haare kaputt machen. All meine kritischen Ansichten über Bord werfen und mir den ganzen Tag Tv-Shows auf Privatsendern reinziehen.
Ich lähme mich selbst. Neben mir, auf dem Schreibtisch, liegen all meine Träume ordentlich gestapelt. Warten darauf, erarbeitet zu werden. Und ich verspreche mir, dass das mit einem Tee bestimmt viel besser klappt. Wanke runter in die Küche. Koche mir einen Tee und flüstere meinem Hund zu, wie gerne ich ihr Leben hätte. Sie blinzelt. Und manchmal bilde ich mir ein, dass das ein Zwinkern ist. Mit dem heißen Tee schleppe ich mich wieder hoch, bemerke den Staub, ich muss mal wieder saugen. Oder ich lasse mich einfach auf eine Insel verfrachten. Oder verfrachte mich zum Arzt. "Herr Doktor, meine Gedanken machen, dass ich nichts schaffe."
Aber mir die Blöße geben, das ist nicht so meins. Ich will als ehrgeizige und hart arbeitende Person gesehen werden. 
Muss ja keiner wissen, dass ich gerade am härtesten daran arbeite, überhaupt mal ein Buch aufzuschlagen.
Irgendwann, ich döse gerade ein wenig, schafft es die Vernunft, mich aus meiner Untätigkeit zu reißen. Macht mir ein schlechtes Gewissen. Und gibt mir zu verstehen, dass ich mich von meinem eigenen Gedankensalat nicht lähmen lassen darf. 
Ich lege meine Lieblings-CD ein. Schlage das Buch auf und versuche, die Worte zu begreifen, während im meinem Hinterkopf ein Krieg zwischen Tatendrang und grenzenlosem Pessimismus tobt.
Für heute hab' ich euch besiegt.