Freitag, 24. April 2015

Wenn aus Gedanken Fesseln werden

Ich sitze in meinem Zimmer auf dem Bett und starre ins Leere. Hunderte Gedanken schießen durch meinen Kopf. Gute, schlechte, nervige. Ich bin randvoll. Mit Erinnerungen, Ideen, Ängsten. Ich quille über. Bin wie gelähmt, mit unendlich viel Zeit und doch kann ich nichts auf die Beine stellen. Der Überfluss an Emotionen lässt mich erstarren. Ich bekomme die Sorgen und Probleme nicht gebündelt, die sich wie hunderte kleine Bäche durch meinen Kopf schlängeln. Bis in meine Seele. In meine Beine, die steif auf dem Bett liegen. In meine Hände, die irgendwie um sich greifen, aber nichts finden. Ich blicke umher, auf der Suche nach etwas Machbarem. Alle Aufgaben schwimmen vor mir und will ich sie greifen, doch dann wachsen sie ins Unmögliche, nicht zu schaffen. Zähne putzen? Ich blicke aus meinem Zimmer auf die geöffnete Badezimmertür und stelle mir vor, ich täte es. Erinnerungen kommen wieder hoch. Was dort passiert ist. Und lähmen mich. Ich lausche stumm der Musik. 
War unfähig, meine Lieblingsmusik einzuschalten, aus Angst vor allen Erinnerungen. Und habe schließlich wahllos nach Playlists von irgendwelchen Menschen gesucht. Jetzt dudelt eine House-Playlist durch mein Zimmer, laut und fröhlich. Ich überlege, den Fernseher einzuschalten. Und dann fällt mir wieder ein, wie sehr mich das Ganze in letzter Zeit immer öfters angeekelt. Die Ignoranz der Nachrichtensender. Lieber über Sonnencreme berichten. All diese unechten Sendungen, die die Realität darstellen sollen. All diese armen Mädchen, die sich jeden Donnerstag auf ihren Körper reduzieren lassen müssen, um sich am Ende als Preis einen Stempel aufdrücken lassen zu dürfen. Meine Gedanken kreisen weiter fort, weit weg aus meinem Zimmer, zu den Ereignissen, die noch vor mir liegen. Eigentlich würde ich gerne lernen. Ich muss lernen. Aber die Angst vor einer erneuten Niederlage verteilt sich wie ein Gift langsam in meinen Armen. 
Schließlich schlinge ich die Bettdecke wie eine Festung um meinen Körper und schlurfe zum Fenster. Sonne, Vögel. Menschen, die vom Einkaufen gehen. Mit dem Hund gehen. Leben. Ich mag das auch haben. Ganz kindlich ausgesprochen. Ich will auch. Mal aufwachen ohne als erstes einen Fluch auszustoßen, weil ich den ganzen Quark heute nicht bewältigen will. Tabletten schlucken, die meine Haare kaputt machen. All meine kritischen Ansichten über Bord werfen und mir den ganzen Tag Tv-Shows auf Privatsendern reinziehen.
Ich lähme mich selbst. Neben mir, auf dem Schreibtisch, liegen all meine Träume ordentlich gestapelt. Warten darauf, erarbeitet zu werden. Und ich verspreche mir, dass das mit einem Tee bestimmt viel besser klappt. Wanke runter in die Küche. Koche mir einen Tee und flüstere meinem Hund zu, wie gerne ich ihr Leben hätte. Sie blinzelt. Und manchmal bilde ich mir ein, dass das ein Zwinkern ist. Mit dem heißen Tee schleppe ich mich wieder hoch, bemerke den Staub, ich muss mal wieder saugen. Oder ich lasse mich einfach auf eine Insel verfrachten. Oder verfrachte mich zum Arzt. "Herr Doktor, meine Gedanken machen, dass ich nichts schaffe."
Aber mir die Blöße geben, das ist nicht so meins. Ich will als ehrgeizige und hart arbeitende Person gesehen werden. 
Muss ja keiner wissen, dass ich gerade am härtesten daran arbeite, überhaupt mal ein Buch aufzuschlagen.
Irgendwann, ich döse gerade ein wenig, schafft es die Vernunft, mich aus meiner Untätigkeit zu reißen. Macht mir ein schlechtes Gewissen. Und gibt mir zu verstehen, dass ich mich von meinem eigenen Gedankensalat nicht lähmen lassen darf. 
Ich lege meine Lieblings-CD ein. Schlage das Buch auf und versuche, die Worte zu begreifen, während im meinem Hinterkopf ein Krieg zwischen Tatendrang und grenzenlosem Pessimismus tobt.
Für heute hab' ich euch besiegt.

Kommentare :

  1. wow, wunderschöne worte! kann ich gut nachvollziehen. die bilder sind auch sehr passend!

    Sandy http://unaddicted-heart.blogspot.de/

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  2. was für ein schöner Text und tolle Bilder :)
    lg

    http://wing-fly-alone.blogspot.de/

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