Mittwoch, 17. Juni 2015

Ein Schmetterling ist eben nur 'ne Raupe mit Flügeln



Bilderflut. Ich drücke immer wieder auf den Auslöser. Zoome. Muss jede Blüte einfangen. All den Blütenstaub auf den Bildschirm bannen. 

Denn schon bald schließt sich diese Lilie wieder. Vergräbt sich tief im Boden, nur noch Erde, kein Grün. Als würde sie sich selbst begraben. Für ein halbes Jahr.

Ich wünsche mir, auch diese Fähigkeit zu haben. Nicht, mich selbst zu begraben. Aber jedes halbe Jahr verschwinden, 6 Monate irgendwo hin, wo mich niemand findet. Und erst wieder kehren, wenn ich strahle. Von außen, von innen. Kraftvoll bin, voller Mut und dem Drang, mich zu entfalten.

Denn ich fühle mich gerade eher wie die Lilie tief unter der Erde, die darauf wartet, dass sie in aller Schönheit erblühen wird. Und dann fällt mir wieder ein, dass ich mich gar nicht verkriechen darf. 

Mich zu verkriechen, mit meiner Decke über dem Kopf anstatt einer Schicht Erde wie bei der Lilie, macht meine Aufgaben nicht kleiner. Lässt mich nicht Strahlen, sondern kleiner werden. Weil der Druck größer wird. Mich sprengen will.

Werd erwachsen!

Diesen Satz hat mir noch niemand ins Gesicht gesagt. Aber in meinem Kopf wandert er seit Wochen durch alle Schluchten und Täler und schreit herum. 
Werd erwachsen, sonst schaffst du das nie. Tu dies, tu das. Sonst wird das nichts.
Ich versuche ständig, mich zu ducken, wenn mir diese Erkenntnis entgegen schlägt. Manchmal klappt es. Dann tue ich so, als könnte das alles hier so weiter gehen. Noch ein Jahr oder so. Das wäre schön.

Aber mich zu ducken, das wird immer schwerer.
Ich bin keine Lilie, die sich vor dem kalten Winter verkriechen kann. Vor den unangenehmen Tagen, vor dunklen Zeiten. Vor Momenten, in denen man nicht aus der Tür treten möchte - weil man weiß, was einen erwartet.

Ich betrachte die Lilien erneut und dann fällt mir doch etwas Gutes ein, was ich mir von ihnen abschauen kann.

Nach jedem kalten Winter kommen diese Lilien wieder. Strahlen, blühen. Nach jedem harten Tag komme ich auch wieder. Nach jedem schweren Schritt aus der Tür werden Leichte folgen. Leichte, die mich strahlen lassen. Von innen, von außen.

Ich verblühe nicht. Ich blühe jeden Tag neu.








(Blogtitel: Zt. aus "Grüner Samt" von Marsimoto)

Kommentare :

  1. Huhu :)
    Wie du dich mit einer Lilie verglichen hast. Total schön!
    Aber es stimmt: "Ich verblühe nicht. Ich blühe jeden Tag neu." (Zitat von oben)
    Auch diese Fotos, herzhaft geschossen. Wirklich toll!
    LG
    Missi

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  2. Toller Text, wahnsinnig schöne Bilder und ein richtig schöner Blog *-*
    Liebste Grüße
    http://venilista.blogspot.de/

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