Mittwoch, 5. August 2015

Das hier ist kein Abschied. Wir lassen uns nur los.

Ich weiß nicht, wann wir uns das letzte Mal in die Augen gesehen haben. So richtig ehrlich, voll mit Respekt, mit Zuneigung und dem Gefühl, dass dieser Zustand für immer so bleibt.
Weiß nicht, wann ich dir das letzte Mal ein Geheimnis anvertraut habe. Und du mir. Wann der Moment kam, an dem sich das nicht mehr richtig angefühlt hat. Wir nicht mehr miteinander reden wollten, über die Dinge, die einen in der Seele bewegen.
Oberflächlichkeiten.
Schlechtes Wetter.
Sind die Schuhe neu?
Wichtigeres gab es nicht mehr zwischen uns. Haben die Mauer um uns herum immer weiter abgebaut, Stein um Stein. Uns umgesehen und verwundert gemerkt, wir können auch ohne den Atem des anderen leben. 
Da ist noch mehr.
Und anfangs ist man ganz zögerlich, traut sich nicht, weil das tiefste Innere schon weiß, was passieren wird. Und dann hebt man doch ganz vorsichtig einen Fuß, steigt über die Mauer. Hand in Hand haben wir unser Universum verlassen, irgendwo mit der Überzeugung, das alles so bleibt, wie immer. Für immer.
Und jetzt sind wir Lichtjahre voneinander entfernt, einfach so. Und es gibt kein Raumschiff, das uns zueinander führen kann. Weil alles schon verglüht ist, was uns verbunden hat. Nicht mehr leuchtet.

Wenn sich unsere Blicke treffen, schaue ich lieber weg. Ganz schnell. Weil da nichts mehr ist, was ich lesen kann. Weil du nichts mehr in meinen Augen lesen kannst. Diese Gedankenleserei ist Geschichte. Wie nie geschehen. Und ich weiß gar nicht mehr, wie das mal funktioniert hat zwischen uns. 

Und wir versuchen, zu retten, was noch zu retten ist. Das man sich wenigstens noch Hallo sagt.
Oberflächlichkeiten.
Schlechtes Wetter.
Sind die Schuhe neu?