Freitag, 4. November 2016

Wie ein Stein, der langsam auf den Meeresboden sinkt





Aufwachen. Raus aus den Alpträumen. Ich bin unfassbar müde vom ständigen Aufschrecken und der Panik, die mich dann immer überkommt. Ich weine erstmal ein bisschen. Nicht vor Erleichterung, dass ich wach bin, sondern wegen dem Druck. Dem Druck, jetzt den ganzen Tag meinen Gedanken ausgeliefert zu sein.
Die Rolladen bleiben unten und die Dunkelheit nicht nur in meinem Zimmer, sondern auch in mir selbst.

Depressionen sind wie ein Kaugummi, in das man rein tritt - Hartnäckig und kaum wieder los zu werden. 4 Jahre lebe ich mittlerweile mit diesem Kaugummi unter meinem Schuh und dachte, das klappt schon irgendwie - der größte Selbstbetrug, den ich mir je antun konnte.
Die Silvesternacht hat all die restliche Lebensfreude genommen, die ich noch hatte - und anstatt mir Hilfe zu suchen, habe ich mich verkrochen.
Bin wie ein Stein, den man ins Meer geworfen hat, immer weiter still vor mich hin gesunken.

Ich sehe langsam den Grund unter mir und mich selbst verschwinden.

Ob ich nochmal an die Oberfläche schwimmen kann, weiß ich im Moment gar nicht so recht. Weil mir bewusst ist, dass ich mir viel zu viel Zeit gelassen habe, mir Hilfe zu suchen.
10 Monate nach der Silvesternacht, 4 Jahre nach dem Einsetzen meiner Depressionen, 4 Jahre mit Selbstverletzung - erst jetzt habe ich mir Hilfe gesucht, erst jetzt. Und ich weiß immer noch nicht, ob es nicht schon zu spät ist.
Ob ich nicht schon viel zu viel von mir verloren habe und all das wiederfinde, was mich mal ausgemacht hat. Ob all die vielen Ansichten, das Glück und die Leichtigkeit mal wiederkommen oder ob ich mich schon zu sehr verändert habe.

Das macht mir Angst.
Und ich will verhindern, dass das anderen Leuten auch passiert. So viele Menschen reden ihre Depressionen runter und reden sich ein, das wäre nichts. Sind der Meinung, sie schaffen es auch ohne Hilfe und versuchen mit aller Kraft so zu tun, als wären sie nach außen hin glücklich wie alle anderen.
Das darf nicht sein.

Es ist mir egal, wie groß oder klein meine Reichweite ist, aber ich möchte, das jeder, der auf diesen Post stößt, weiß, dass er sich dringend Hilfe suchen muss, wenn er sich so ähnlich fühlt wie oben beschrieben.
Das er nicht so lange warten darf wie ich und am Ende all seine Selbstachtung, seine Lebensfreude und seine Persönlichkeit verliert und am Ende zwischen Panikattacken und depressiven Gedanken hin und her wandelt.

daydreamsandcoconuts wird an dieser Stelle nicht mehr als Fashion/Beauty-Blog weiter geführt, sondern von nun an nur noch mit meinen persönlichen Gedanken gefüllt, in erster Linie über mein Leben mit den Depressionen.
Natürlich ist das ein sehr persönliches Thema - einigen vermutlich zu persönlich und viele werden nicht verstehen, wieso man sein innerstes Seelenleben nach außen kehrt. Aber das hier ist auch ein Stück weit Therapie für mich und auch ein Stück weit Aufklärung - viele verstehen immer noch nicht, was Depressionen mit einem Menschen machen und wie es in uns aussieht.
Da ich solchen Menschen bisher viel zu oft begegnet bin, möchte ich einfach versuchen, ein wenig Verständnis zu vermitteln.
Nicht mit Erklärungen und Definitionen, sondern mit den Gedanken und Gefühlen, die ein depressiver Mensch mit sich rum trägt.

Ich hoffe, ihr versteht diesen Schritt und geht den Weg vielleicht ein bisschen mit mir. Ich würde mich freuen.

Victoria


1 Kommentar :

  1. Das werden alle verstehen!
    Ich wünsche dir viel Mut und Kraft, dass du wieder besser zu dir finden kannst und lass dich auf keinen Fall unterkriegen!
    Alles Liebe,
    Vanessa
    Mademoiselle Pinette

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